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Hagfahrt Meißner / Kaufunger Wald

Ein Hag im Wandervogel ist etwas Besonderes, da er uns eine Gemeinschaft lehrt, die man so nirgends findet. Deswegen finde ich eine Fahrt mit dem gesamten Hag eine tolle Tradition. Denn wo sonst sieht man so verschiedene Menschen mit tausenden Meinungen, Gedanken und Erfahrungen so aufeinander prassen? Aber dennoch dasselbe im Herzen tragen: die Lust auf echte Abenteuer, die Sehnsucht nach der Ferne und die Leidenschaft für die Musik am Lagerfeuer.

Es war ein wunderschöner und warmer Frühlingsnachmittag, der leider für die lange Zugfahrt nach Witzenhausen drauf ging. Aber als wir endlich aus dem Zug heraus kamen, war es zwischenzeitlich schon dunkel geworden. Also gingen wir im Schein der Stadt los und machten uns auf den Weg zur Burg Hanstein wollten, um dort den Rest unseres Hags zu treffen. Dort angekommen,schauten wir erst einmal, wo wir uns befanden und malten dann die Sonne und den Kranich als Zeichen auf den Weg, damit die restlichen Gruppen, die aus unterschiedlichsten Richtungen kamen, uns im Wald finden konnten.
Also auf in den Wald, um schon einmal einen schönen Lagerplatz zu suchen. Das Problem war nur, dass trotz halbwegs strahlendem Sternenhimmel, es ziemlich duster im Wald war und die Kerze vom Wind immer wieder aus gepustet wurde.
Als wir nun ein wenig durch den Wald geirrt waren, hörte ich auf einmal Rufe und stoppte abrupt. Alle lauschten dem Rufen. „Ob das wohl die anderen waren?“ Doch dann erkannten wir die Rufe unserer Bundesschwestern und schmetterten ein freudiges „Ol veigh sol“ zurück.
Bald darauf waren wir vereint und fanden gemeinsam eine Schlafstelle.

Nachdem wir Feuerholz gesucht hatten, legten sich viele der Jüngeren schon einmal in die Schlafsäcke und lauschten noch ein wenig dem Geknister des Feuers und den Liedern der Großen. Das letzte, was ich jedoch mit bekam, war dass die Schwarzwälder noch immer nicht da waren und wir sie morgen suchen wollten. Dann schlief ich ein.

Am nächsten Morgen wachten Olesya und ich sehr erschrocken auf, da wir in der Nacht durch die schiefe Ebene weggerollt waren. Nachdem wir uns wieder zurechtgerückt hatten, lugten wir aus den Schlafsäcken. Annika war schon länger wach und hatte die Glut des alten Feuers wieder zum Entfachen gebracht. Die anderen lagen zum Teil noch in den Schlafsäcken und dösten vor sich hin in der Hoffnung noch nicht aufstehen zu müssen. Andere waren gerade dabei im Halbschlaf ihre Schlafsäcke einzupacken.

ASF-0087Als wir nun auch aufgestanden waren und uns fertig gemacht hatten, legten wir
unsere Felle neben die große Tischdecke und setzten uns. Beim Frühstück konnten wir endlich die neuen und abenteuerlustigen Gesichter sehen, die wir im Schatten der Dunkelheit noch gar nicht erkennen konnten. Dann machten wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf Richtung Burg Ludwigstein, immer dem ehemaligen Grenzweg der deutsch-deutschen Grenze folgend . Als wir aus dem Wald herauskamen, trafen wir endlich auf die Schwarzwälder, die gar nicht so weit weg von uns übernachtet hatten. Jetzt konnten wir endlich gemeinsam zur Burg Ludwigstein wandern.
Als kurze Zeit später ankamen, spürten wir die ungewöhnlich starke Frühlingssonne, die man zu dieser Jahreszeit sehr selten antraf. Deshalb beschlossen wir hier eine Pause zu machen und die uns schon entgegenlaufen zu drohende Schokolade und andere Leckereien zu verspeisen. Danach teilte sich die Truppe, um Wasser zu holen, sich die Burg an zuschauen oder einfach liegen zu bleiben und etwas Sonne zu tanken.
Nach dieser großen Pause wanderten wir weiter bis die Großen abrupt stoppten und auf den Abhang neben uns zeigten. Es herrschte Totenstille. Keiner traute sich mehr auch nur einen Zeh zu bewegen, denn auf dem Abhang standen ca. 10 Hirschkühe,die uns lustigerweise genauso entsetzt anschauten, wie wir sie. Keiner bewegte sich, bis nach einigen Minuten die Klügeren nachgaben und die Hirsche wieder in den Wald trappten. Nach diesem Erlebnis liefen wir weiter, bis wir zu einer großen Wiese kamen, die uns zu versprechen schien, einen wunderschönen Sonnenaufgang am nächsten Tag zu zeigen und uns damit sanft wecken sollte.

Also suchten wir Feuerholz und machten uns eine riesige Kartoffelsuppe für den ganzen Hag. Zum Schluss des Tages sangen wir noch ein paar Lieder und schliefen bewacht vom großen Wagen des Sternenhimmels ein.

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