Rumänien & Ukraine

Wir hatten gerade den Moldoveanu, den höchsten Berg Rumäniens hinter uns gelassen. Den ganzen Tag kämpften wir uns schon den Berg hinauf durch zunehmend schlechteres Wetter. Immer wieder ließen uns aufsteigende Nebelschwaden den Vordermann kaum mehr erkennen.

Nur der immer wieder in unserer Gruppe auftauchende junge Rumäne mit seinem für eine Bergwanderung durchdringend lauten Taschenradio gab einem immer wieder die Zuversicht, ok, du bist noch auf dem richtigen Weg, die anderen können gar nicht so weit weg sein…

Das offensichtlich unbeständige, unberechenbare Wetter zwang uns dazu möglichst bald einen Lagerplatz zu suchen, möglichst eine Schutzhütte. Hier oben auf dem Pass schien die einzige Möglichkeit die Schutzhütte direkt nach dem Gipfel zu sein. Es war erst früher Nachmittag, doch trotzdem war der Drang auf diese einzige Schutzhütte weit und breit natürlich selbst um diese Uhrzeit schon sehr groß. Deshalb entschlossen sich einige von uns von Anfang an, trotz der widrigen Bedingungen, ihre Dackelgarage auf dem kleinen „Zeltplatz“, unterhalb der Schutzhütte, aufzuschlagen. Andere wollten das Risiko auf eine Nacht in der „etwas“ undichten Dackelgarage bei Gewitter nicht eingehen und entschieden sich dazu sich die viel zu kleine Hütte mit einigen Rumänen zu teilen. Ich hatte mich mit Lotte und Lisa dazu entschlossen, die Nacht draußen zu dritt in unserer Dackelgarage zu verbringen. Wir errichteten sie auf einem kleinen Felsvorsprung mehr oder weniger direkt in der Windschneise. Mir schien dies nicht der beste Standort zu sein. Zwei weitere Dackelgaragen wurden aufgebaut, offensichtlich hatten sie noch einen besseren, windgeschützteren Platz ergattert. Doch es kam alles ganz anders als erwartet…

Wir verkrochen uns alle zunächst in die Schutzhütte, um im Schein der Stirnlampen der rumänischen Wanderer unser Abendmahl zu bereiten. Der Regen und der Sturm tobten bereits um die Hütte. Immer wieder überlegte ich mir, mir nicht doch hier drinnen noch ein Plätzchen zu suchen. Bei dem Gedanken daran raus in die Kälte zu müssen, wo das Zelt dem Sturm womöglich nicht standhalten würde, lief es einem bereits kalt den Rücken herunter…

Doch zwischen verschwitzten jungen Rumänen nur wenige Zentimeter Platz zu haben und ständig den leicht betäubenden Geruch von circa zwanzig Paar Käsefüßen in der Nase zu haben, schien nicht unbedingt die beste Alternative zu sein… Also Zähne zusammenbeißen, raus da und ab in den Schlafsack.

Ausgerechnet in dieser Nacht schliefen wir zum ersten Mal zu dritt in der Dackelgarage. Lisa musste sich als größte von uns Dreien in die Mitte legen und sich um die Zeltstangen schlängeln. Von Anfang an pfiff der Wind gefährlich stark durch alle Ritzen des Zeltes. Lisa klammerte sich an den Zeltstangen fest, um das Zelt am Wegfliegen zu hindern. Lotte und ich waren mehr damit beschäftigt, dass kein Wasser zu den Seiten hineinfloss und vor allem unsere Füße nicht unten herausschauten und nass wurden… An Schlaf war nicht zu denken. Das Gewitter wurde scheinbar von Minute zu Minute schlimmer. Erste Donner und Blitze zogen auf, das Gewitter schien direkt über uns zu sein, am Gipfel zu hängen und einfach nicht fortzuziehen. Wir waren beinahe starr vor Angst. Draußen tobte der Sturm. Im Zelt gespenstische Stille. Kaum ein Wort fiel obwohl klar war, dass keiner von uns schlafen konnte. Jeder versuchte nur irgendwie einen Teil des Zeltes festzuklammern und dicht zu halten… Es konnte doch nicht wirklich noch schlimmer werden, oder?! Doch!

Die ersten Schreie aus dem Nachbarzelt waren zu hören! Ein S******, was eindeutig von einer von uns kam, lautes Geplantsche, nichts mehr… Irgendwann hörten wir erstes Wasserschöpfen aus einem anderen Zelt. Das musste aus einem der Zelte der Rumänen kommen. Unser Zelt hielt bis jetzt größtenteils dem Sturm und den Wassermassen stand. Doch konnte das ewig so weitergehen?

Wieder waren Schreie aus dem anderen Zelt der Mädels zu hören… Wir waren jetzt noch die Letzten! Konnten wir wirklich so viel Glück haben?! Keiner traute sich, sich zu rühren, um nach den anderen zu schauen… Es hieß einfach nur durchhalten!

Diese Nacht war wohl die längste meines Lebens! Sie und vor allem das Gewitter wollten einfach nicht enden… Wahrscheinlich sind wir doch zwischendurch eingenickt, denn es wurde tatsächlich n
och irgendwann hell. Langsam krochen wir aus dem Zelt und was wir sahen, bestätigte all unsere Befürchtungen. Die zwei anderen Zelte, oder was davon noch übrig war, waren verlassen. Selbst die Hightechzelte der jungen Rumänen waren mit Wasser vollgelaufen und hatten sich teils aus der Verankerung gelöst. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet unser Zelt, welches auf dem windigsten Felsvorsprung stand als Einziges dem Gewitter standhalten würde…

Jetzt endlich brachen auch die Wolken auf und wir konnten den fantastischen Ausblick über die Karpaten bis weit in die Ebene von Siebenbürgen genießen. Der restlichen Gruppe war es nicht besser ergangen.

Dicht getränkt hatten auch sie versucht zu schlafen, doch nach und nach waren eben auch noch die Mädels aus den überfluteten Zelten hinzugekommen, wodurch auch in der Hütte nicht an Schlaf zu denken gewesen war. Trocken, aber dafür wahrscheinlich mit noch weniger Platz als wir zu dritt in der Dackelgarage , war die Nacht auch für sie nicht gerade erholsam… Ganz zu schweigen von denjenigen, deren Zelte überflutet wurden, die noch nicht einmal mehr einen trockenen Schlafsack gehabt hatten…

An diesem Tag trennten wir uns, wie zuvor besprochen, in zwei Gruppen. Der Abstieg und weitere schöne, erlebnisreiche Tage in Siebenbürgen und für die andere Gruppe in der Ukraine begannen…

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