Griechenland

Gerade schmorten wir noch in der heißen Sonne am Straßenrand und nun braust uns der Fahrtwind auf der Ladefläche eines alten Pick Ups um die Nasen. Auf geht es durch die herrlichen Pelionberge, direkt nach Veneto.

Nach Lens Abschied entschieden wir spontan dorthin zu fahren und das Haus der Weinbacher zu suchen. Während der Fahrt fragen wir uns, ob wir das Haus finden, ob wir jemanden antreffen und wenn ja, wen. Ohne zu zögern setzt uns das alte Ehepaar an einem „Haus Xenophon“ ab und an dem grünen Zaun mit den vielen verschiedenen Wandervogelsymbolen erkennen wir, dass wir richtig sind. Wir gehen in den Garten um zu schauen ob jemand da ist, doch wir treffen niemanden an. An den offenen Fenstern erkennen wir aber, dass die Bewohner nicht weit sein können.

Um uns die Zeit zu vertreiben setzen wir uns in den Garten, singen ein paar Lieder und genießen den Ausblick aus den Pelionbergen über die Ägäis. Nach ein paar Liedern kommt eine deutsche Familie und stellt sich uns als die Bewohner des Hauses vor. Weil sie die Weinbacher kennen, machen sie hier öfters Urlaub. Wir erklären unseren Einbruch in den Garten und werden freundlich eingeladen die Nacht hier zu verbringen. Am nächsten Morgen versorgt uns die Familie mit genug Proviant und in der Mittagshitze machen wir uns auf den Weg durch den Pelion nach Pouri.

Der schmale steinige Weg Pfad führt uns durch ausgetrocknete Schluchten, Gestrüpp und trockene Felder. Hin und wieder hat man einen wunderschönen Ausblick auf das blaue, weite Meer. An einer verlassenen Schäferhütte wird der Weg so undeutlich, sodass wir unsicher werden in welche Richtung wir zu gehen haben. Wir setzen ab und müssen zwischen harten Dornen, die uns die Beine zerkratzen den Weg ausfindig machen. Wanda und Annika finden nach längerem Suchen schließlich doch die richtige Richtung und wir können unseren Weg nach Pouri fortsetzen. Als unser Pfad wieder oberhalb der senkrechten Felsen des Meeres entlang führt und den Blick auf das tiefe, klare Wasser freigibt, schreit Wanda plötzlich: „Gucken! Gucken! Gucken! Robbe! Robbe! Gucken! Aah! Robbe!“ Glenda und Annika springen auf den nächsten Felsen und gucken in die Tiefe. Direkt unter uns schwimmt einsam ein riesiger dunkelgrauer „Seelöwe“ am Ufer entlang. Es ist für uns ein tolles Erlebnis, solch ein riesiges Tier in freier Wildbahn erleben zu dürfen. Als das Tier aus unserem Blickfeld verschwindet, ziehen wir weiter.

Gegen Abend bringt uns der Weg durch dichte und dunkele Wälder immer weiter runter ans Meer und wir hoffen darauf, einen schönen Schlafplatz zu finden. Wir laufen durch ein ausgetrocknetes Flussbett und hören schon des Meeres Rauschen. Am Ende erwartet uns das Paradies! Eine schneeweiße Felsenbucht geht über in das türkisblaue Meer. Wir sind überwältigt von dieser Schönheit, schmeißen sofort unsere durchgeschwitzten Rucksäcke von uns und rennen in das weiße, schäumende Nass. Wir freuen uns diese schöne einsame Bucht ganz für uns alleine zu haben und schlagen unser Lager auf. Perfekter konnte dieser Tag nicht werden: Dank der Familie aus Veneto ist unser Abendessen ein Drei-Gänge-Menü mit Salat als Vorspeise, Nudeln mit echter Tomatensoße, Zwiebeln und Oliven als Hauptgang und selbstgepflückten Brombeeren als Nachtisch. Wir singen noch lange in die Nacht hinein und werden vom Wellenrauschen in den Schlaf gesungen. Am nächsten Morgen weckt uns die heiß brennende Sonne, wie jeden Tag. Wir rasten noch ein wenig an unserem weißen Kieselstrand, denn wir denken, wir müssten unser Ziel schon bald erreicht haben, da man uns sagte, dass der Weg bis Pouri nur ca. 6 Stunden dauern sollte. Doch später wird sich herausstellen, dass dem nicht so sei…

Nach ein paar Stunden Marsch durch den dunklen und dichten Wald, der unser Vorankommen immer wieder durch herunterhängende Äste, an denen man andauernd hängen bleibt, erschwert, endet der Pfad mal wieder mitten im Dickicht.

Erneut hält uns die weitere Wegsuche auf. Wir laufen in drei verschiedene Richtungen durchs Gestrüpp, aber nach langem hin und her finden wir doch noch die richtige Richtung, müssen uns aber mit einem Stock selbst unseren Weg durch noch dichteres Dickicht schlagen. Wanda kämpft sich vor durch das harte Dornengestrüpp.

Von allen Seiten werden wir gestochen und zerkratzt, dass es richtig wehtut und wir nur im Schneckentempo voran kommen. Von einem Weg kann hier nicht mehr die Rede sein. Wie verrückt schlägt Wanda immer wilder und wütender werdend auf die immer dicker werdenden Dornenstränge ein. Vor lauter Wut beginnt sie zu schreien und beschimpft Griechenland und seine Dornen, zumal wir auch nur noch einen Liter Wasser haben und wir nicht wissen, wie lange wir noch laufen müssen, denn auf dem gesamten Weg gibt es kein Wasser.

Nach weiteren zwei Stunden durch die Dornen kommen wir blutend und zerschunden endlich auf eine größere Straße. Wir gönnen uns eine verdiente Müsliriegel-Pause, Wasser gibt es trotzdem nicht. Ermutigt laufen wir nun die Schotterstraße entlang, bezweifeln aber trotzdem noch, ob der Weg in die richtige Richtung führt. Erschöpft kommen wir abends an einem Sandstrand an. Nach dem Essen werden wir noch von ein paar Griechen eingeladen. Wir erzählen, dass wir auf dem Weg nach Pouri seien, doch sie können nur darüber lachen. Am nächsten Tag wird uns die Reaktion der Griechen klar.

Am Strand dachten wir angekommen zu sein, da man schon Häuser sah, doch es handelte sich nicht um Pouri. Der Weg schlängelt sich noch viel weiter in Serpentinen den Berg hinauf.

Wir haben Glück, das einzige Auto, das auf der Straße fährt kann uns nach Pouri bringen. Während Glenda und Wanda sich zum Fahrer zwängen, muss Annika sich die Ladefläche des Pick-Ups mit sechs Hunden und unserem Gepäck teilen. Die kurven sind scharf und die Straße holprig, sodass Spatz sich festkrallen muss, um nicht den Abhang hinunter zu stürzen. Wir sehen, dass es noch ziemlich weit bis nach Pouri ist und stellen fest, dass wir es vor der Dämmerung nicht bis ins Dorf geschafft hätten. Von dort aus begeben wir uns auf den Rücktramp nach Deutschland

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