Mytilus 1

Estland

Samstag

Voller Spannung stehen wir an Deck der Fähre, die uns nach Kuivastu, unserem Starthafen in Estland bringt, lassen uns den Wind um die Ohren pusten und halten aufgeregt Ausschau nach der Mytilus.

Den Hafen können wir schon erkennen und einige weiße Masten, die hinter der grauen Hafenmauer hervorlugen. Da, endlich – auch den Mast der Mytilus haben wir gesichtet. Hastig stürzen wir die Treppen herunter, um ja als Erste die Fähre zu verlassen und die Mytilus zu entern. Ein paar Stunden müssen wir uns noch gedulden. Während die Gruppe vor uns noch klar Schiff macht, singen wir uns schon mit den passenden Seemannsliedern in Stimmung und steigern unsere Ungeduld und Vorfreude ins Unermessliche.

Irgendwann gehört die Mytilus auch uns und wir verstauen zunächst unsere Einkäufe und verteilen die Kojen. Sofort stellt sich auch die erwartete Gemütlichkeit ein, denn für 11 Leute ist gerade genug Platz und der Regen zwingt uns vorerst im Hafen zu bleiben und den angebrochenen Tag in der Messe mit Singen und den Theoriestunden von Ulf, unserem Skipper, zu verbringen.

 

Sonntag

Am nächsten Morgen können wir endlich die graue Hafenmauer, die uns die Sicht aufs Meer versperrte, hinter uns lassen und wir 9 Landratten, für die fast alle dies der erste Segeltörn ist, bekommen nun auch eine Ahnung davon, wie es sich anfühlt, wenn sich über einem die Segel bauschen, wenn man sich die Gischt ins Gesicht peitschen lässt, wenn der Bug auf die Wellen klatscht oder wie die Sonne auf die spiegelglatte See sticht. Dazu der fast endlose, weite Blick. All das wurde nun für eine Woche zu unserem Alltag, jeder Tag versprach neue Herausforderungen und wurde schließlich nie wie geplant.

Trotz anfangs leichten Orientierungsproblemen an Deck, klappt es doch schon recht gut und wir halten Kurs auf die Insel Hiiumaa.

 

Mittwoch

Bei strahlend blauem Himmel und 27°C verlassen wir den einsamen, alten Fischerhafen, in dem wir anscheinend die einzigen Lebewesen waren. Noch nichts ahnend schaukelt Dania, die uns täglich fleißig mit selbst gebackenen Kuchen versorgt am Klüverbaum vor sich hin und wir lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen. Doch das Glück mit dem Wetter ist uns nicht lange hold. Aber das ist uns auch mal recht  – bei Wind, Wellen und Regen kommt Freude auf. Genau richtig, um das Boje-über-Bord Manöver zu üben. Die Boje verschwindet so schnell wie man „Mann über Bord“ rufen kann irgendwo in den Wellen und ist innerhalb von wenigen Sekunden mit dem bloßen Auge nur noch schwer auszumachen.  Keine angenehme Vorstellung, man selbst wäre da draußen… Nach einer gefühlten Ewigkeit und drei Anläufen wird sie aber dennoch gerettet.

Das Wetter wird nun auch endlich annähernd so, wie wir es uns gewünscht hatten: Gewitter, Regen und Wind peitschen uns ins Gesicht.

Unsere für den Abend auserkorene Ankerbucht zwingt uns leider zur Weiterfahrt in den nächsten Hafen – der Untergrund ist hier einfach zu schlammig und der Anker will nicht halten. Wenigstens hatten die beiden etwas davon, die fünfmal wacker den Anker wieder raufgekurbelt haben, der Muskelkater lässt nicht lange auf sich warten.

Donnerstag

Der nächste Tag empfängt uns wieder mit Hitze und strahlend blauem Himmel. Allerdings auch ohne Wind. Wir nutzen die Flaute zum Deck schrubben, schwimmen und „lianieren“ vom Klüverbaum.

 

Samstag

So verging die 1 Woche auf der Mytilus fiel zu schnell, der Abschied fällt dementsprechend schwer und wird extra lange hinausgezögert. Schweren Herzens verlassen wir das so lieb gewonnene Schiff, während um uns herum alles zu schwanken scheint und der Schall der Schiffshupe zum Abschied noch dreimal durch den Hafen dröhnt.  Wie lange hatten wir uns auf den Törn gefreut und wie schnell war alles wieder vorbei. Aber ein Trost bleibt: Die Vorfreude auf ein Wiedersehen, denn das war erst der erste Törn.

Categories: Fahrtenberichte

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