Sommerfahrt der Fluslodden 2008

Slowakei - Nízke Tatry

Len und Wanda

 

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Fahren - Grenzen erfahren.

 

...Zu zweit in ein unbekanntes Land zu fahren, dessen Sprache man nicht spricht, ist keine Kleinigkeit, auch wenn das Land nicht allzu fern und das zweisame Fahren nichts Neues ist. Wie oft wünscht man sich weitere Weggefährten herbei, kämpft gegen bange Gefühle. Das erfordert in vielen Situtionen Mut und Verantwortung für sich selbst, denn obwohl zu zweit, ist doch jeder auf sich alleine gestellt...

 

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...Des Nachts auf dem slowakischen Bahnhof einer ländlichen Kleinstadt gestrandet, schlagen wir uns an herabgekommenen, düsteren Hausfassaden entlang durch spärlich beleuchtete Straßen. Wir hoffen, bald aus der Stadt heraus zu kommen und Schutz unter dem freien Himmelszelt zu finden. Natürlich fällt man auf. Zwei Mädchen in ungewöhnlicher Wanderkleidung, orientierungslos. "Hotel?", fragt man uns. "Nje, no Hotel", zu mehr reicht die Sprachkenntnis nicht, mit Händen und Füßen lässt sich auch nicht nach einem Wanderweg fragen, nicht erklären, dass man draußen schlafen will. Das nette Ehepaar sorgt sich, ein Hotel hat doch nicht mehr geöffnet um Mitternacht. Sie laden uns ein, in ihrer kleinen Wohnung zu übernachten. "Angst?" deutet unser Gastgeber mit fragender Geste an. "Nje!" Wir sind froh, dass uns Unterschlupf gewährt wird... 

 

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...Nízke Tatry - Niedere Tatra. Unser Aufstieg beginnt spät. Der Weg führt uns entlang dem Hauptkamm über abgerundete, grüne Bergrücken. Wir genießen den wundervollen Ausblick auf die umliegenden dunkelgrünen Bergketten der Karpaten und die Stille der Abgeschiedenheit. Dass diese mit den Wolken zusammenhängt, die sich immer dichter zusammenfügen, ahnen wir. Aber mit gutem Gewissen in Hinblick auf unsere Kohtenplanen und Schlafsäcke im Rucksack, steigen wir weiter bergauf. Wind kommt auf, dunkle Wolken am Himmel. Wir spüren, dass sich da mehr zusammenbraut. Ahnen, dass eine Nacht unter freiem Himmel unter diesen Bedingungen unangenehm werden kann. Zurück? Nein, bis zu der kommenden Hütte, die uns Schutz gewähren kann. Mindestens zwei Stunden Fußmarsch liegen noch vor uns...

                            

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...Wir haben das Gefühl, uns inmitten der Regenwolken zu befinden. Sehen Wolken und Nebelschwaden in rasanter Geschwindigkeit an uns vorbeiziehen. Der Wind wird immer stärker und heult in unseren Ohren. Weiterhin führt der Weg seitlich des Bergrückens entlang oder gar oben auf. Schützende Böschungen werden rarer. Reißt eine Böe für ein paar Sekunden die Nebelschwaden auseinander, entblöst sich unserem Auge ein Blick in den Abgrund. Der Sturm reißt an unseren Kleidern und Rucksäcken und macht unser Gehen schwerfällig. Im Wettlauf gegen die Zeit kämpfen wir uns Schritt für Schritt weiter. Straucheln, klammern uns aneinander, drücken uns in Nischen am Wegrand und beten, von keiner Sturmböe ins Tal gerissen zu werden. Unzählige Gedanken gehen mir durch den Kopf. Ich bin mir unserer Lage bewusst, weiß, wie nahe ich dem eigenen Ende bin. Und doch glaube ich es nicht... Vertraue auf das eigene Glück...

 

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...Gerade noch, bevor die Dunkelheit unsere Sicht verschluckt, erreichen wir die erlösende Hütte. Ein unbeschreibliches Gefühl der Erleichterung und Dankbarkeit, dieses Gefahrerlebnis heil überstanden zu haben, breitet sich in mir aus. In der Stube sitzen tschechische Jugendliche, trinken Wodka, spielen Gitarre und singen moderne tschechische Lieder. Obwohl die Lieder nicht absolut unserem Geschmack entsprechen, klingt es gut und erfreut genießen wir die Musik. Den Abend verbringen wir in der Stube, unterhalten uns, tauschen Lieder aus oder singen gemeinsam. Es wird eine lange Nacht, durch unser Bergabenteuer sind wir aufgedreht und an Schlaf ist kaum zu denken...  

 

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...Viel zu schnell neigt sich die Zeit dem Ende zu. Die höchste Erhebung der Niederen Tatra, den Dumbier, erreichen wir nicht mehr. Wanda hat's erwischt und ihr flauer Magen zwingt uns dazu, am Chopok abzusteigen. Heute ist uns das Trampglück nicht hold; wir stehen lange und werden nicht mitgenommen. So entschließen wir uns zur Bahnfahrt nach Bratislava. Im Zug verarbeiten wir die letzten Fahrtenerlebnisse. Die Enttäuschung, früher als geplant den Höhenweg der Niederen Tatra verlassen zu haben, ist spürbar. Aber auf Fahrt läuft eben nichts nach Plan. Die Herzen voller Eindrücke und Erlebnisse, lachen wir über verschiedene Begebenheiten, hängen stumm Erinnerungen nach und sind auf irgendeine Weise stolz darauf, was wir gemeinsam überstanden haben. Dass wir Situationen, in denen wir an unsere Grenzen gestoßen sind, gemeistert haben, weil wir uns aufeinander verlassen konnten...

                                                            

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